Es ist Montag Nachmittag und es ist sonnig. Gut gelaunt beginne ich meine Fahrstunde (zwar nicht meine erste, aber bestimmt auch nicht meine letzte). Und da bekanntlich nur die Übung den Meister machen kann, dauert es auch nicht allzu lange, bis der Motor das erste Mal den Geist aufgibt. Dies wäre ja eigentlich kein Problem, denn Fehler machen wir alle. Was nun aber folgt ist das beispiellose Unverständnis meiner Mit-Strassenbenutzer, welche scheinbar vergessen haben, dass auch sie einmal so angefangen haben. Ohne Gnade werden böse Blicke verschossen, die Hupe vergewaltigt oder ich werde schlicht und einfach (natürlich total regelwidrig) überholt.
In solchen Momenten stellt sich mir die Frage, woher diese Intoleranz und dieses aggressive Verhalten bloss kommt. Ich könnte ein gewisses Verständnis dafür aufbringen, wenn mein Auto nun minuten- oder gar stundenlang auf der Strasse herumstehen würde. Doch handelt es sich hier um wenige (scheinbar unglaublich wertvolle) Sekunden, welche die Unglücklichen, die das Pech hatten hinter mir zu fahren, verlieren. In unserer heutigen Zeit scheinen schon Sekunden zu wertvoll um sie für so etwas nutzloses wie das nicht-demotivieren eines Fahranfängers zu verschwenden.
Stress - das grosse Problem dieser und mittlerweile auch der meisten anderen Menschen ist die Antwort auf meine Frage. Die Huper, die Überholer und die Flucher, sie alle sind gestresst. Gestresst vom Leben, von unserer Gesellschaft und von sich selbst. In Zeiten der vernetzten, globalisierten Welt entsteht immer mehr der Zwang zur Geschwindigkeit. Alles muss so schnell wie möglich von statten gehen, jede Verzögerung könnte tödlich (für was auch immer) sein. Ironischerweise dreht sich unser Planet heute genauso schnell wie vor 2000 Jahren und wir sterben auch nicht früher, ganz im Gegenteil. Alldem zum Trotz (oder vielleicht gerade darum) ist es umso wichtiger, keinen Augenblick unserer wertvollen Existenz ungenutzt zu lassen.
Mein Weihnachtswunsch dieses Jahr fällt darum etwas ungewöhnlich aus: Menschen, Welt: Probierts mal mit Gemütlichkeit

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