Thursday, April 30, 2009

Unaushaltbar!

Es sind extrem wenige die Sachen, welche mich im innersten zerplatzen lassen. Auch würde ich mich als ein durchaus toleranter Mensch mit viel Geduld bezeichnen. Jedoch etwas gibt es das ich nicht ausstehen kann, wenn Leute so laut schmatzen, dass es zu ignorieren unmöglich ist. Meistens ist es so unaushaltbar, dass ich es den Betroffenen sagen muss zu aufhören damit. Klar man könnte schon fast ein schlechtes Gewissen bekommen, weil man die Person mit einer solchen Forderung vielleicht verletzen könnte. Andererseits ist es nicht zu viel verlangt ein Minimum an Manieren zu haben und beim Kauen den Mund zu schliessen.

Solange die schmatzende Person der kleine Bruder ist, kann man ohne Weiteres eine solche Aufforderung in einem heftigen Ton stellen und diese wird auch befolgt. Jedoch letztens als ich bei meiner Grossmutter für mehrere Tage zu Besuch war, kam ich in eine äusserst unangenehme Situation.

Abend. Ich sitze gemütlich vor meinem Laptop und programmiere. Meine liebe Grossmutter fragt mich ob ich was zu trinken will. Ich war der glücklichste Mensch, keinen Druck, was zu Trinken, gemütliche Sitzgelegenheit, einfach alles war perfekt. Dann plötzlich sitzt meine Grossmutter mir gegenüber am Tisch ab. Sie hat eine Banane und ein Teller vor sich. Sie fängt an zu Reden. Bis hierhin war die Welt noch in Ordnung. Meine Erfahrung zeigte mir schon öfters, dass ältere Menschen wie einen Drang haben immer zu Labern und ich akzeptiere das auch. Und dann, nach dem Schälen der Banane fängt sie an sie zu essen. Sie schmatzte so unbeschreiblich laut, dass man hätte denken können es sei Absicht um meine innere Ruhe zu provozieren. Die absolute Ruhe im Raum verstärkte diese unangenehme Laute bis ins Unaushaltbare.

Und da war ich... In einer Sch$&%s Situation ohne Ausweg. Innerlich explodierte ich. Ich versuchte mit allen Mitteln es zu ignorieren. Ich starrte auf den Bildschirm mit der Hoffnung die Geräusche ausblenden zu können, doch ich scheiterte. Ihr zu sagen damit aufzuhören wäre respektlos gewesen. Ich konnte keine Kopfhörer einstecken, weil sie war ja in der Konversation verwickelt. Doch dann kam mir eine brillante Idee wie ich mein Dilemma lösen konnte, ich ging ins Bad. Dies hatte mich jedoch nur kurz von den Leiden befreit, als ich zurück kam schälte sie schon die zweite Banane und verzerrte diese... Dann sah ich die alleinige Lösung aus der verzweifelten Situation darin schlafen zu gehen.

Vielleicht werden ein paar denken, es ist völlig übertrieben oder “so schlimm ist es gar nicht”. Es war jedoch genug schlimm mich um 21 Uhr ins Bett zu stecken. Etwas was sonst nur ein extremer Kater oder eine Grippe zustande bringt...

Wednesday, April 29, 2009

Meine Liebe zur Hölle?

Allein, allein sitze ich auf der Veranda und spiele mit dem Zippo. Flamme an, Flamme aus, bin der Sensenmann des Feuers, bin der Richter und der Henker und strecke meine Hand nach einem der Glimmstängel, diesen Todesboten, aus. Ich nehme den Filter in dem Mund, offenbare die Macht des Feuers und lass meine liebste Zigarette entflammen, meine Liebe brennt und könnte sie schreien, es wäre wohl die hässlichste Selbstmord-Poesie. Ja diese Zigarre könnte mein Ticket in die Hölle sein. Aber was will man mehr, man ist noch jung, alles läuft gut und man ist in Topform. Ich mag den Gedanken der Hölle. Sehr gläubig bin ich nicht. Aber wie es dort wohl sein wird? Ich als Mensch, ein grosser Fan der Simpsons, denke im Moment nur das Eine. Die Hölle. Ein riesiges BBQ. Ach Bullshit! Das Bild will mir nicht aus dem Kopf. Unfähig eine bessere Antwort zu finden gebe ich es auf.

Als ein Opfer der Liebe, wie ich es bin, macht man sich halt Gedanken. Ich bewundere mich selbst wie absurd meine Überlegungen ins Nichts, ins Zusammenhanglose führen. Ein Opfer der Liebe.

Tuesday, April 28, 2009

Rivella pur

Nach meinem letzten Einkauf habe ich mir zur Erfrischung noch ein feines Rivella blau gegönnt. Gross war "WIN" auf die Etikette gedruckt. Da gibt es wohl etwas zu gewinnen, dachte ich mir. Aus Neugierde drehe ich die PET-Flasche um ihre eigene Achse. Und siehe da, ein schöner gelber MINI Cooper Cabrio blitzt mir entgegen. Wie schön wäre es auch einmal einen solch grossen Gewinn entgegennehmen zu können. Naja, ich sollte mich nicht beklagen, schliesslich war auch ich schon einmal der glückliche Gewinner eines Hauptpreises. Ich reisse die Etikette vom PET los und werfe die Flasche in den Mülleimer.

Zu Hause kommt mir die Etikette wieder zwischen die Finger. Neugierig suche ich die genannte bunte Internetseite auf und gebe meinen Gewinncode ein. Ich werde aufgefordert mich anzumelden, um überhaupt einen Gewinn erzielen zu können. So weit so gut. Zweiter Versuch: Schwups, es erscheint ein grosses "R" auf dem Bildschirm. Soll ich etwa ein "R" gewonnen haben? Das kann es doch nicht geben. Rasch bemerke ich, dass ich zuerst eine Menge Buchstaben sammeln muss, um die Bezeichnung meines gewünschten Gewinnes damit schreiben zu können.


So werde ich am folgenden Tag zum fleissigen Rivellatrinker. Obwohl mein Durst nicht grün ist, komme ich auch in den Genuss von Grüntee-Extrakt. Dabei sollte erwähnt werden, dass wohl bald einmal der Rivella Notstand ausgesprochen werden muss.
Die halbleeren Regale des schweizer Nationalgetränks mit Milchserum zeigen, dass dieses wohl sehr gut bei der Bevölkerung ankommt.
Langsam frage ich mich jedoch, ob das ganze Spiel denn nicht nur eine Umsatzsteigerung hervorrufen sollte. Die Rivella AG aus Rothrist heimst wohl einiges ein und die Gewinne können somit locker aus der Hand gegeben werden. Zu meiner Enttäuschung entpuppt sich das Auto auch nur als einjähriges Leihobjekt. Soll ich mich wirklich weiter auf Rivella einlassen. Lohnt sich denn der Genuss am Schluss wirklich, unterliegt doch die Buchstabenausgabe allein dem Zufall oder doch der Bestimmung durch eine höhere Gewalt. Es ist immer dasselbe mit diesen Gewinnspielen, doch jedesmal ist die Verlockung gross. Heutzutage landen sogar adressierte Gewinnversprechen im Briefkasten. Da stellt sich schon die Frage, ob der Absender zu viel Vermögen besitzt.
Unschlüssig nehme ich den letzten Schluck meines grünen Rivellas. Vielleicht auch der letzte für die nächste Zeit.

Anpassung ans soziale Umfeld oder: Wie Smalltalk uns am Kennenlernen hindert

Eine Frage, die ich mir sehr oft Stelle, hat sich mir auch heute wieder aufgedrängt: Warum haben wir alle so viele verschiedene Seiten? Ich habe noch keine Person angetroffen, die sich in jedem sozialen Umfeld gleich verhält. Warum ist das so? Wie auf alle Fragen, die man sich immer wieder stellt, habe ich auch auf diese schon mehrere Antworten gefunden.
Die naheliegenste aller Erklärungen scheint die Anpassung aus Höflichkeit, aus Kommunikationsbedarf zu sein: Menschen passen sich ihrem Umfeld an, um sich zu integrieren, um Boden für Gespräche zu schaffen. Doch genau das hält uns auch davon ab, unter die Oberfläche zu gelangen und einander wirklich kennen zu lernen - paradox, nicht?
Es könnte auch einfacher sein: den Menschen fehlt die Selbstsicherheit, sich als das zu präsentieren, was sie sind. Ich frage mich auch öfters, was für Hobbies Menschen haben, die ich nur oberflächlich kenne -

Fragen sich meine Mitmenschen das auch ab mir?

Ich bin ein Vertreter der direkten Kommunikation, und versuche auch eine solche Politik in meinem Umgang zu verfolgen - und trotzdem werden wohl wenige wissen, dass ich oft Morgens um 2 Uhr noch an meinem Pult sitze und Programmierfehler zu beseitigen versuche.

Mir ist bewusst, dass man nicht alle Menschen genauer kennen lernen kann. Ich stelle es mir aber einiges spannender vor, meinen Tag mit Sportlern, Musikern, Modefans und Hobbymodellbauern zu verbringen als mit nur andersnamigen Kantonsschülern. Mit dem will ich nicht sagen, meine Mitmenschen wären langweilig, ihre spannenderen Seiten kommen nur nicht so ans Licht.

Eine gewisse Aktualität wird dem ganzen verleiht mit dem Nationalen Wettbewerb von Schweizer Jugend Forscht, der vor einigen Tagen stattfand. Bei meiner Teilnahme dort traf ich auf zahllose Jugendliche, welche mit ihren Hobbies Grosses erreicht hatten und das nun präsentierten. Dieser Event begeisterte mich so sehr, dass ich prompt am Montagmorgen meine Mitschüler ruppig begrüsste: Mit einem Vorwurf, sie hätten keine Ambitionen und seien faul. Dass dies etwas starker Tobak war, wurde mir erst im Nachhinein bewusst.

Denn der Punkt am Ganzen ist doch, dass wahrscheinlich jeder irgend etwas Faszinierendes verfolgt in seinem Leben, die meisten dies jedoch im Privaten tun -

Und nichts studierende Menschen wie ich sie dann als langweilig abstempfeln. Lieber Leser - mach es besser.

Wettbewerb
Nationaler Wettbewerb: Ausstellung [Quelle]

Ein Aktivist erwacht


Strassenaktivismus ist in. Am Montagmorgen um 7:30 Uhr durfte ich mich gar darüber freuen die Aprilausgabe der Zeitschrift Erwachet! in meine Hände gelegt zu finden.
Erwachet! wird wie auch der Wachturm von der Wachturm-Gesellschaft, mitunter auch bekannt als Zeugen Jehovas herausgegeben. Leider war ich so früh am Morgen noch nicht in der Lage entsprechend zu reagieren. Die Thematik sollte dem Leser bekannt sein, weshalb ich gleich meine Verhaltensempfehlung abgeben möchte: Wie begegne ich einer mehr oder weniger freundlichen Person, die mich an einem beliebigen Schweizer Bahnhof mit mehr als drei Gleisen Geldes wegen anspricht?

Persönlich verfolge ich zwei unterschiedliche Strategien: Die erste kommt zum Einsatz, wenn ich keine Zeit habe mich zu unterhalten. Ich teile der Person mit, dass ich keine Zeit habe. Dabei passe ich meine Freundlichkeit dem Tonfall des Ansprechenden an. Jeden weiteren Annäherungsversuch ignoriert man. Dieses Verhalten erfüllt mein Verständnis von Freundlichkeit vollkommen.
Im zweiten Fall habe ich ohnehin genügend Zeit und lasse mich also auf ein Gespräch ein. Im Gespräch bin ich selbstverständlich aufmerksamer Zuhörer und erfahre so zum Beispiel nach Erläuterungen zur Relevanz der Organisation, dass eine Mitgliedschaft nur CHF 6.- im Monat kostet, reines Gewissen inklusive. Nach einiger Zeit muss ich dann weiter und lasse mein Gegenüber noch etwas wissen: Strassenaktionen sind ein Auswuchs des heutigen Werbegeschäfts. Bei gemeinnützigen Organisationen bemühe ich mich um eine differenziertere Darlegung, bis der Gesprächspartner die Unterhaltung häufig selbst beendet.

Schade ist nur, dass ich wenig Einfluss darauf habe, welche Strategie ich verwende. Ansonsten würde ich gerne die Werbenden häufiger beschäftigen, damit andere Passanten nicht mehr unbedingt den Zug erwischen müssen, obwohl ihr Weg aus dem Bahnhof herausführt. Mein eigener Strassenaktivismus eben.

Demo
Es gibt viele Arten von Strassenaktivismus [Quelle]

Parklücke


Frauen sollen schlecht einparken können? Kann sein. Männer aber auch.

Als ich letzte Woche meine Grosseltern besuchte, waren bis auf einen alle Besucherparkplätze besetzt. Früher waren diese immer alle frei. Aber seit nebenan eine neue Siedlung gebaut wird, sind sie meist von „täglichen Besuchern“ (Bauarbeitern) besetzt. Ich stiess nun auf folgende Situation:

Theoretisch wäre der Parkplatz in der Mitte ja noch frei gewesen. Mit einem Mini oder einem Smart wäre es vielleicht möglich gewesen in diese Parklücke reinzukommen, mit einem Velo oder Motorrad ganz sicher, nicht aber mit einem normalgrossen Auto. Laut Wikipedia muss einem Lernfahrer bei der Prüfung eine 8m lange Parklücke zur Verfügung gestellt werden, wenn er seitwärts einparkieren soll. Wie soll dann von mir das hier (ca. 2.5m) verlangt werden???
Genervt über die beiden Autofahrer (ich gehe davon aus, dass es männliche Bauarbeiter waren und keine Frauen), die ihr Auto nicht ordentlich in ihre Parkfelder stellen konnten, verliess ich den Privatparkplatz und machte mich auf zur blauen Zone. Was blieb mir anderes übrig?

Nach dem Besuch (inklusive Parkscheibendrehen in der blauen Zone…), sah die Situation bei den Privatparkplätzen wie folgt aus:
Der weisse Wagen war zwischen dem grünen Auto und dem roten Lieferwagen „eingeklemmt“. Vorne und hinten hatte er je ca. 30cm Platz. Keine Chance, da rauszukommen, bevor der schwarze oder grüne Wagen den Parkplatz verlassen hatten.


Zum Glück, dachte ich, habe ich mich für die blaue Zone und nicht für diesen mittleren Parkplatz entschieden. Sonst hätte sich der Besuch bei meinen Grosseltern wohl noch um einige Stunden verlängert, bis die Arbeiter um 5 Uhr wieder weggefahren wären…! Und doch wird immer wieder darüber gewitzelt, dass Frauen keine Ahnung vom Parkieren hätten. Doch in Wirklichkeit sind wir gar nicht schlimmer als unsere männlichen Genossen.

Das folgende Video handelt zwar von Frauen beim Einparken. Richtig parkieren ist aber, wie wir eben gesehen haben, für beide Geschlechter keine einfache Sache und es können die verschiedensten Zwischenfälle auftreten.



Kommen dir einige dieser Zwischenfälle bekannt vor?

Internet User, vergib mir, denn ich habe gesündigt... Wieder einmal!

Heute sass ich nach einem stressigen - mit Mathematik und Physik erfüllten - Morgen in der Cafeteria und gönnte mir endlich die Mittagspause. Wie immer kommt es am Tisch von einer Diskussion zur anderen. Diesmal war Dialogsmittelpunkt die Person B. . Es ging darum, dass B. ein Geheimnis verraten hatte. Während die einen dieses Verhalten verurteilten, fanden andere die Reaktionen zu übertrieben, weil das Geheimnis nicht so schlimm sei. Ich musste mich denen anschliessen, die das Prinzip eines Geheimnisses verteidigten.

Dieses Prinzip besteht daraus, dass eine Information mit einer kleinen Gruppe an Personen geteilt wird und diese Gruppe so klein wie möglich gehalten werden sollte. Je weniger Personen der Gruppe angehören, desto grösser und wichtiger ist das Geheimnis. Dabei ist das Ziel, eine Information vorzuenthalten oder sogar dafür zu lügen, jedenfalls dies nicht zu verraten. Um ein Geheimnis gut bewahren zu können, muss man also ein guter Lügner sein – im weitesten Sinne.

Die Geheimnisse können Menschen zusammenbringen und Beziehungen stärken. Bekanntlich kommt oft auch das Gegenteil vor, weshalb viele auch Geheimnisse für sich behalten. Man wartet und wartet so lange, bis das Geheimnis einen auffrisst und die eigenen Handlungen durch das Geheime beeinflusst werden. Aber das Einzige, was wir wollen, ist diese Last von den Schultern zu bekommen und es jemandem zu beichten. Aber die Folgen!! Um Himmels Willen - die Konsequenzen könnte ich nicht ertragen!!! Das magische Internet hat auch hier eine kleine Lösung gefunden: http://www.confessions4u.com/. Eine Plattform, bei der man anonym seine Beichte ablegen kann. Erinnert uns doch irgendwie an die katholische Kirche? Ausser das hier keine echten, unschuldigen Personen einen – ich nenne es bewusst falsch- verurteilen und zurechtweisen, also unter Druck setzen. Sondern nur weitere User mit ebenfalls bedrückten Seelen ihr Mitleid mitteilen oder Tipps für diese schwere Zeit geben. Wie die Samichlaus-Lüge werden hier Lügen und vieles mehr diskutiert, aber nur die, die es betreffen würde, dürfen ja nichts davon mitbekommen.

Aber genau solche Plattformen leiten den Menschen dazu, noch schlechter zu handeln, weil sie sich den Folgen nicht stellen müssen. Genau das, was den Menschen daran hindert Schlechtes zu tun, nämlich der eigene Ruf, wird hier von der Anonymität verdeckt und der User legt sich in diese Bequemlichkeit hinein. Ist es besser sich den Konsequenzen zu stellen oder sind solche Seiten sinnvoll, um den armen Leidenden das Leben zu erleichtern und ihnen zu helfen, mit Geheimnissen besser umzugehen?

Sunday, April 26, 2009

Ode an IKEA oder 'Kaufen Idioten wirklich alles oder wollen sie bloss ein neues Leben?'

Wer kennt das nicht? Man zieht nach vielen Jahren endlich um, kann sich in der neuen Wohnung oder im neuen Haus neu einrichten und hofft, etwas mehr Schwung in die Hütte zu bringen mit dem Kauf von neuen Möbeln. Naja, auch diejenigen, die noch nie umgezogen sind, werden irgendwann mal die Nase voll haben von den purpuren Teppichen oder den weissen Möbeln der 90er, die ich kurioserweise immer mit einer Zahnarztpraxis in Verbindung bringe.

Als treues Mitglied der Mittelklasse darf ich es mir erlauben, Ikea als meinen Hauptlieferanten zu nennen. Andere, wie dieser Spot es zeigt, bringen es noch nicht übers Herz, offen darüber zu sprechen.





Als ich klein war, fand ich es immer so spannend, durch die riesigen Ausstellungshallen von Ikea herumzulaufen und meiner Fantasie über mein zukünftiges Zimmer freien Lauf zu geben (eigentlich übernimmt bereits Ikea diese Aufgabe indem alle Zimmer so schön und familiär dekoriert sind mit zusammengeklebten Büchern, Computer-Attrappen, Schwarzweiss-Fotografien von Bauarbeitern auf Stahlträgern in Manhattan, usw.). Okay, ich gebe zu, ich mache es immer noch gern. Trotzdem hatte ich damals das Gefühl, ich stünde vor einem Neuanfang. Ich könnte mich zuhause in einem neuen Licht zeigen, etwas Abwechslung in mein Leben bringen, von nun an mein Zimmer richtig aufräumen, weil ich die passenden Möbel dazu hätte. Unter dem TRÖMSO-Hochbett passte nun mein MIKAEL-Schreibtisch mit dem SNILLE-Drehstuhl, meine Bücher und Fotos bewahrte ich auf dem BILLY-Wandregal und die Kleider wurden im einzigen Aussenseiter, irgendeinem Schrank aus Conforama, verstaut. Ich hätte es tatsächlich fast geschafft, ein „neues“ Leben zu starten (wenn doch dieser Conforama Schrank nicht wäre…).

Es hat nichts bewirkt. Mein Zimmer sah immer noch nicht aus wie die tollen Räume in den Katalogen. Die Ordnung fiel aus und ich gab die Schuld meinem kleinen Zimmer, in welches keine Möbel mehr zum Verstauen passten. Nach vielen Jahren der Ordnung im Schlafzimmer vermutete ich, es liege vielleicht doch an meiner aufräumerischen Inkompetenz. Lustigerweise werde ich wohl nicht der einzige sein, was das betrifft. Das „neue“ Leben fiel aus, das Zimmer war praktisch noch dasselbe.

Dessen ungeachtet sehnen wir uns immer und immer wieder nach diesem Ideal der perfekten Ordnung im Haus, wie wir sie in jeder Möbelausstellung erleben oder auf den Katalogen sehen (Näheres zum Ikea-Nest-Symptom im Film „Fight Club“). Jedes Möbelstück ist perfekt auf das andere abgestimmt, die Farben stimmen überein, der Teppich mit dem wilden Muster verleiht dem Zimmer mehr Ausdruck, der Multifoto-Aufhänger an der Wand gibt genug Platz für die Ferienfotos mit der Familie und dem Hund, der Boden ist freigelegt und begehbar(!!!). Erreichen tun wir das im besten Fall, wenn man eine Putz- und Ordnungssucht hat. Oder bloss der Mangel an persönlichem Ausdruck. Einmal besuchte ich jemanden, dessen Mutter es für nötig hielt, jegliche persönlichen Züge aus einem Wohnraum zu entfernen. Damit meine ich einen Ort, wo jedes Möbelstück auf den Millimeter genau positioniert war, die Farben (besser gesagt: alles weiss) aufeinander abgestimmt waren und an der Wand tatsächlich überdimensionale Schwarzweiss-Fotos hingen mit den Motiven eines leeren Strandes, einer weissen Blume (war sie tatsächlich weiss?) und (wer hätte es gedacht?) Manhattan. Mir fällt nur eins dazu: unheimlich. Mich beängstigte die Tatsache, dass es sich hier nicht um eine Ausstellung sondern um eine „persönliche“ Wohnung handelte. Die Frau tat mir in gewisser Weise leid, weil nichts ausser diesem Ausstellungsmuster etwas von ihrer Persönlichkeit aussagte. Dabei sprechen doch so viele Dinge für die Persönlichkeit eines Menschen: Kleidungsstil, Musikgeschmack, beliebte Reiseziele, Familie und Freunde, etc, Dinge die man in Form von Fotos, CD-Sammlungen oder Schuhen im Eingang findet. Diese Frau schien mir ihre Persönlichkeit verbergen zu wollen. Oder vielleicht wollte sie die Menschen dazu anregen, ihren Charakter in einem Gespräch mit ihr selbst herauszufinden. Ich glaube jedoch kaum, dass die Leute bei der Wohnungseinrichtung so weit denken.

Es kann aber auch sein, dass ich mir zu viel Gedanken über Möbel mache. Einige Recherchen mehr zum Thema Möbel und ich entwickle mich zum Möbelverschwörungstheoretiker. Wahrscheinlich deswegen, weil ich gerade umgezogen bin und neue Möbel gekauft habe. Da ist alles noch stark präsent, weil ich mich noch nicht ganz eingelebt habe in die neue Umgebung.

Dennoch hat sich eins bestätigt: Die Unordnung lag doch am geringen Platzangebot (Juhuu, ich habe ein grösseres Zimmer!). Freilich hat damit kein neues Leben begonnen, aber das neue Zimmer passt endlich zu mir.

Wer Lust hat, sein Zimmer neu zu gestalten oder die alten Sims-Zeiten wieder zu beleben, sollte diese neue Ikea-Funktion nicht versäumen. Was die Unheimlichkeit von absoluter Ordnung angeht, haben die Möbelhersteller bereits reagiert und versuchen einen kleinen Touch an menschlichem Chaos in die Kataloge zu bringen (man beachte die herumliegenden Schuhe oder Taschen).

Heil dir Helvetia – geliebter Cervelat

Cervelats gab’s tatsächlich am Sonntag zum Zmittag. Somit kann ich die Grillsaison auch bei uns für eröffnet erklären. Zwar nicht so offiziell, dafür auch nicht so unbeholfen, wie Ueli Maurer die Eishockeyweltmeisterschaft eröffnete, einige werden sich erinnern, sein Englisch war grauenhaft. Aber immerhin typisch schweizerisch: Neben einem Cervelat liessen wir uns Zweifelchips, marktfrischen Kopfsalat aus der Region und Feldschlösschen schmecken.

Wir assen die Wurst nicht nur, wir sprachen auch darüber. (Man muss vielleicht wissen, dass meine Mutter in einer Metzgerei aufgewachsen ist.) Im Verlauf des Cervelatgesprächs fiel es mir wieder ein: Letztes Jahr, April 2008, Einfuhrverbot von brasilianischen Rinderdärmen. Ein nationaler Aufschrei ging durch die Schweiz, wir Eidgenossen fürchteten um unseren geliebten Cervelat. Ja, man musste gar damit rechnen, dass er nicht einmal die Euro08 überleben würde. Denn keine anderen Därme sind so gekrümmt, so gut schälbar, kurz: so geeignet, um Cervelatbrät hineinzuspritzen, wie der Darm des brasilianischen Zebu-Rinds.
Alle möglichen Horrorszenarien wurden durchgespielt - mehr oder auch weniger ernst natürlich. So in der Radiosendung
Zytlupe auf DRS.
Ich muss gestehen, auch ich war damals kurz geschockt, schmeckt doch diese geräucherte Brühwurst immer und überall. Die Schweiz begann sich zu wehren, brachte zahlreiche Studien heraus, dass die benötigten Häute nicht BSE gefährdet seien. Doch die EU blieb bei ihrem Entscheid.

Mittlerweile ist das alles längst verstummt. Schon ein paar Wochen nach der niederschmetternden Nachricht hatte man doch mehr Vorräte als gedacht und zwei, drei Monate später fand sich auch valabler Ersatz. Därme aus Uruguay, Paraguay oder Argentinien sprangen in die Bresche. Der Kampf jedoch geht weiter. Wäre doch gelacht, wenn die kleine, unabhängige, neutrale Schweiz nicht auch hier eine Sonderbewilligung bekäme. Hoffen wir das Beste.

Ein schaler Beigeschmack, der sogar in Deutschland bemerkt wurde, bleibt trotzdem:

„Wer hätte auch gedacht, dass die schweizerischste aller Würste derart vom Ausland abhängig ist? Es ist eine bittere Erkenntnis, dass auch der Cervelat irgendwie mit der Globalisierung zusammenhängt. Dabei wurde er doch schon 1891 angeblich zum ersten Mal erwähnt, im Zusammenhang mit dem Schweizer Nationalfeiertag am 1. August - das hebt ihn fast auf eine Ebene mit dem Rütli-Schwur. Selbst in den helvetischen Sprachgebrauch ist sie eingegangen: "Cervelatpromis" nennt man in der Schweiz abfällig die B- und C-Prominenten. Warum, ist ungeklärt.“ (spiegel.de)

Das gibt einem in der Tat ein wenig zu Denken. Gehört doch der Cervelat zum kulinarischen Erbe der Schweiz. Und doch wird gerade auf dieser Homepage ersichtlich, dass der Cervelat eine lange und international geprägte Vergangenheit hat. In seinen Anfängen galt er als Festtagswurst und wurde zum Teil mit exotischen Gewürzen verfeinert. Erst mit der Verbreitung des Fleischwolfes Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er zur Alltagswurst. Sein tiefer Preis und damit seine Verbreitung wurden dann dank des Basler Wurstkriegs gesichert. Zu gleicher Zeit wurden auch staatliche Wurstkontrollen eingeführt, die darauf achteten, dass Schweizer Fleisch verwendet wurde. Heute ist genau festgelegt, was in den Cervelat gehört.

Wie dem auch sei, unser Zmittag hat geschmeckt.




Beschreibung eines Kampfes.....oder mehrerer!

Obwohl die Ausgangslage so schlecht wie noch nie wahr hat sich nun die Scuderia Ferrari endlich wieder einmal bereit erklärt auch für einen ihrer eigenen Fahrer WM-Punkte in Anspruch zu nehmen. Ein Versteher der Sache erkennt hier nun klar die Wende in der bestehenden Saison. So sind die Tage des bis an hin wirklich hervorragend auffahrenden Jenson Button gezählt. Oder doch nicht? Ist es denn wirklich möglich, dass die zwei dominierenden Teams der letzten Meisterschaf fast völlig aus von der Bildfläche verschwinden? Ob man dies nun glauben will oder nicht, ob man ein Comeback der beiden befürworten würde oder nicht, oder ob einem die ganze Angelegenheit völlig egal ist. Man muss eingestehen, hier wird ein Kampf gekämpft. Wie er ausgehen wird ist ganz gewiss noch ungewiss. Aber die Wunden der beteiligten sind zweifellos schon sehr gross.

Aber ist dies ganz sicher nicht der einzige Kampf der zurzeit in der Sportwelt statt findet. So versucht doch gerade, genau jetzt in diesem Moment, unsere schweizer Eishockey Nationalmannschaft die deutschen Spieler zu bezwingen. Man ist zwar wunschgemäss mit einem Sieg in das heimische Turnier gestartet, doch ist das 1:0 gegen Frankreich trotzdem nicht wirklich befriedigend. Die Spieler haben also zu kämpfen. Aber warum Herrgott nochmal interessiert das in diesem Land fast niemanden?! Die Verantwortlichen dieses Turniers sind doch nun wirklich arme Schweine. Müssen versuchen Leute zu motivieren für etwas, das diese überhaupt nicht interessiert. Und fortan werden sie an der Fussball Euro gemessen. Wann hört denn das endlich auf? Nur weil es sich hier um zwei internationale Sportturniere handelt sind sie deswegen noch lange nicht so ähnlich wie es die ganze Zeit behauptet wird! Dies mag vielleicht nur meine eigene Meinung sein, aber die Masse gibt mir doch bedingt auch recht. Die einzige Argumentation die meine Aussage widerlegen könnte, wäre die Behauptung, die Organisatoren hätten schlechte Arbeit gemacht. Nun gut, liebe, mir widersprechende Leser. Ich finde es wunderschön, dass ihr euch zumutet darüber zu Urteilen. Wisst ihr denn wirklich genau was die Organisatoren alles getan haben? Ich nicht. Und daher möchte ich über deren Arbeit auch nicht urteilen. Das einzige was ich wirklich weiss ist, dass hier ein Kampf gekämpft wird. Und am bisherigen Ablauf des Turnirs glaube ich zu erkennen, dass dieser mehr oder weniger erfolgreich für die Organisatoren ausgehen wird.

Doch auch ich persönlich habe einen Kampf gekämpft. Doch dieser ist glücklicherweise schon vorbei. Ohne mich selbst loben zu wollen, muss ich trotzdem eingestehen, dass er an Glanz und Gloria kaum zu übertreffen ist. In meiner nahen Zukunft werde ich mit grösster Wahrscheinlichkeit diesen absoluten Triumph kaum überbieten können. Meinen Schulabschluss und den möglichen Schweizermeister Titel in meiner Abschlusssaison mit eingeschlossen! ich war also vorgestern Im Coop Aarepark und kaufte so die üblichen Dinge ein: Bier, Chips, Würste, mehr Bier, ein paar DVDs und noch eher nebenbei drei Dreierpackungen meiner, heiss geliebten, sich leider nicht mehr in einer Aktion befindlichen Kinderüberraschungen. Zu Hause angekommen schritt ich zu einem gewohnten Rhythmus über. Packte alle Eier aus, warf die völlig überflüssige, schon lange nicht mehr geliebte Schokolade in die dafür vorgesehene Plastiktüte und begann den eigentlichen Teil des Vergnügens. Auch wenn dies womöglich unglaubwürdig scheint, so bleibe ich doch bei der Wahrheit, denn das alles entscheidende Objekt befand sich wirklich in der neunten, also letzten dieser gelben Eier. Was dann in mir vorging könnt ihr euch sicher vorstellen....



....Die vorher erwähnte Gleichgültigkeit bezüglich des Eishockeyturniers in der Schweiz hat mich natürlich auch befallen. Doch immerhin unterstütze ich diesen Anlass in dem ich diese Eier kaufe. Also nicht einen völlig sinnlosen, kindlichen Akt vollbringe. Zudem hat das ganze auch noch einen extrem sozialen Aspekt. So ist auf jeder Dreierpackung ein Code aufgedruckt mit dem man an der Verlosung für Tickets teilnehmen kann. Ich habe dies natürlich noch nie getan. Doch indem ich solche Codes kaufe und sie nicht benütze, erhöhe ich doch die Gewinnchance all jener Teilnehmer, die sich wirklich ab einem solchen Gewinn freuen würden. Dies war im übrigen auch ein Kampf. Ein Kampf meiner Faulheit gegen das Wissen, dass solche gewonnenen Tickets für Geld hätten verkauft werden können. Nun hat natürlich nicht die Faulheit, sondern mein Gewissen gewonnen. Um euch nun doch noch meine Errungenschaft etwas näher zu bringen benütze ich die geniale Möglichkeit ein Bild davon hochzuladen.



Damit ihr aber nun nicht glaubt, all dies sei lediglich nur zum Vergnügen gewesen muss ich euch sicher noch erklären, dass auch ich grosse Wunden davon getragen habe. So fühlt sich vor allem mein rechtes Bein viel leichter als früher an. Dies liegt wahrscheinlich am Geldschwund. Zudem habe ich nun eine schöne Sammlung an kleinen Spielzeugen die mir doch alle lieb sind. Aber um damit etwas erreichen zu können muss ich die grosse Familie auseinander reissen. Das kommende Tauschgeschäft wird mir noch sehr zu schaffen geben. Sowohl der zeitliche, als auch der Psychische Aufwand werden um einiges grösser werden als ihr euch das Vorstellen könnt. Nun werde ich mich aber zuerst darüber informieren wie denn ein richtiger Kampf gekämpft wird. Zum Glück wurde dies vor einiger Zeit in Prag festgehalten....

Sockenmemory


Nichtsahnend sass ich ich gestern in meinem Zimmer und las mal wieder in einem Buch. Ausnahmsweise war es keines für meine Abschlussprüfung. Diese Freude war mir allerdings nur kurz gegönnt. Meine Mutter hatte entschieden, mir heute einige Hausarbeiten zu überlassen. Die Erste kam in Form von zwei Wäschekörben daher. Der Erste, nur mit Handtüchern gefüllt, war schnell geleert, die Handtücher ordentlich zusammengelegt. Natürlich so gefaltet wie es meine Mutter will.

Der zweite Korb aber hätte mich fast geschafft. Was von aussen wie ein Haufen Socken aussah – nun – das war ein grosser Haufen Socken. Jeder, der schon einmal Strümpfe zusammenlegen musste, kennt es: die verzweifelte Suche nach einem gleichen Paar.

Meine Mutter hatte wohl beschlossen mich auf die wieder beginnende Schule einzustellen, in dem ich mein Gehirn wieder einmal gebrauchen musste. Denn ich hatte sicherlich schon 20 verschiedene Socken (die sich manchmal nur in der Breite des Gummibandes unterschieden) in den Händen gehalten, bis ich endlich zwei gleiche entdeckte. Was für eine Erleichterung! Leider lagen noch mehr als hundert andere im Korb...

Während dieser Arbeit (einzelne Socken aus dem Korb nehmen, miteinander vergleichen, verschiedene auf die Seite legen, zwei gleiche zusammen stopfen, usw.) kam mir auf einmal das Spiel Memory in den Sinn. Wie froh auf einmal ich war, dass ich eine einmal 'aufgedeckte' Socke nicht wieder zurücklegen musste. Denn schon so brauchte ich über eine halbe Stunde bis ich an die 70 Paare glücklich zusammenführen konnte. Ich vermute, ansonsten wäre ich jetzt noch nicht fertig.

Wie immer gab es auch gewisse Einzelgänger zu denen beim besten Willen kein Gegenstück gefunden werden konnte und die zum Schluss übrig blieben. Diese Zahl scheint sich im Verlauf der Zeit immer nur zu erhöhen, anstatt kleiner zu werden. Die Vorstellung, dass es ein Wesen in der Waschmaschine gibt, das allzu gerne mal eine Socke entführt (und zwar immer verschiedene Socken, es liebt das Ungleiche), gefiel mir sehr. Es würde zumindest erklären, weshalb immer wieder ein Teil des Sockenmemory fehlt. Das gemeine war nur, dass immer wieder die neuen Teile verschwanden. Es gab da Strümpfe vor allem alte Teile, die hätte ich nur allzu gerne verschwinden sehen.



Meiner Mutter konnte ich nach diesem Abenteuer nicht nachtragend sein, sie erledigte ja sonst diese Arbeit für mich. Sie hatte auch ihr (geheimes) Ziel erreicht, mein Gehirn wieder anzukurbeln. Dankbarkeit wäre da eher angesagt. Zum Glück ist der Muttertag nicht mehr fern, sonst würde ich meine Dankbarkeit wohl wieder vergessen...

Saturday, April 25, 2009

Grenzen der Meinungsfreiheit



Die Frühlingsferien neigen sich ihrem Ende zu und ich blicke auf die vergangenen zwei Wochen zurück. Ich lasse all meine Erlebnisse durch einen bewussten Filter gehen. Durch diesen werden diejenigen Erlebnisse heraus filtriert, welche bei mir eine besonders starke Gefühlsreaktion ausgelöst haben - sei dies nun im Positiven oder im Negativen. In meinem bewussten Filter betrachte ich nun den Rückstand dieser imaginären Filtration. Darunter befinden sich viele Erlebnisse, welche mich glücklich gemacht haben und jetzt, wenn ich so selektiv auf sie zurückblicke, wiederum glücklich machen. Ein Erlebnis sticht aber hervor, welches mich im Gegensatz zu den anderen wütend gemacht hat und auch ein wenig traurig. Ich hätte das dringende Bedürfnis gehabt mit jemandem darüber zu diskutieren, daher will ich jetzt darüber schreiben.

Es ereignete sich am Montag dieser Woche. Wieder einmal sass ich gemütlich auf dem Sofa vor dem Fernseher und wollte mir die Sendung "10 vor 10" zu Gemüte führen. Ich machte mich auf das Übliche gefasst: Katastrophenmeldungen, Kriegsberichterstattung, Verkehrsunfälle, Verbrechen und Politiker, welche sich irgendwie in die Haare geraten waren. Da musste ich mir aber doch tatsächlich mit ansehen und vielmehr mit anhören, wie der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad eine Hassrede gegen Israel und die westliche Welt hielt, wie er deren Regierungssysteme als rassistisch bezeichnete, wie er einmal mehr den Holocaust in Frage stellte und wie er hämisch grinste, als er dafür Protest erntete.

http://www.sf.tv/sendungen/10vor10/index.php?docid=20090420 (Beitrag von "10 vor 10" unter dem Titel "Eklat in Genf")

Die Hasstirade an und für sich liess mich kalt. Solche Provokationen ist man sich vom Staatsoberhaupt des Irans schon längstens gewohnt. Hingegen rief es in mir tiefstes Unverständnis hervor, dass die UNO höchstpersönlich einem Holocaustleugner eine Bühne bereitet an ihrer internationalen Konferenz gegen den Rassismus in Genf, auf welcher er seine rassistischen Äusserungen zum Besten geben kann - genau das, was die Konferenz zu verhindern sucht. Sicherlich muss man auch seine Feinde in einen Dialog mit einbinden. Die Naivität einer solch weltumspannenden Organisation darf doch aber nicht dazu führen, eben diesem Gegenspieler eine internationale Plattform für seine rassistische Ideologie zu bieten. Jetzt kann man mir natürlich vorwerfen, ich würde einen Grundsatz unseres demokratischen Systems missachten, die Rede- und Meinungsfreiheit. Aber Meinungsfreiheit sollte doch da aufhören, wo eine ganze Menschengemeinschaft oder auch nur ein einzelnes Individuum durch offensichtlich falsche Wortäusserungen, welche wissenschaftlich widerlegt werden können, verletzt wird. Auch dem Toleranzgedanken sind irgendwo Grenzen gesetzt. Die Freiheit eines Menschen muss da aufhören, wo er die Freiheit eines anderen Individuums beschneidet. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich an jenem Montagabend, an dem ich so bequem auf unserem blauen Sofa sass, nicht zum ersten Mal von der Naivität und Machtlosigkeit der UNO enttäuscht worden bin.

Betrugsfalle Internet

Wer hat noch nie eine Zahlungsaufforderung von Internetseiten wie load-net oder mega-downloads erhalten? Ungeübte wie auch erfahrene Internetuser können schnell in eine Falle tappen. Es werden Downloads vermeintlich kostenlos angeboten, doch Tage später erhält man eine Rechnung von 50 – 150 Euro welche in den nächsten Tagen zu bezahlen ist. Der Betrag ist absichtlich so gewählt, dass eine Balance zwischen Unsicherheit und Widerstand herrscht.


Wichtige Informationen werden nur am Rande erwähnt. In diesem Fall dient der Download des Adobe flash players als Köder. Der Player kann kostenlos auf anderen Internetseiten heruntergeladen werden. Die angebotene Leistung entspricht in solchen zweifellos nicht den versteckten Kosten.



Wer sich mit solchen Themen nicht auskennt, wird schnell einmal unsicher und zahlt den Betrag aus. Dies ist aber keinesfalls die Lösung des Problems, denn schon einige Tage später werden neue Mahnungen im Briefkasten landen. Der Braten ist gerochen und die Adresse wird weitergegeben. Indem eine zweite und dritte Mahnung geschickt wird, versuchen sie, die Zielperson weiter einzuschüchtern. Die Beträge werden grösser und es werden weitere Massnahmen angedroht. In einigen Fällen werden sogar Rechtsanwälte angeheuert. Die bekannteste unter diesen ist Katja Günther. Sie soll pro Tag über 1000 Mahnungen verschicken und damit ihren Ruf ruinieren.


Es bleibt die Frage, weshalb solchen Betrügern nicht das Handwerk gelegt wird. Die meisten Anbieter (z.B www.opendownload.de) wechseln ihre Domain nicht und sind leicht auffindbar. Leider ist der Rechtsstaat im Bezug auf Internetkriminalität noch nicht auf dem neusten Stand. Das Internet entwickelt sich schneller, als neue Gesetze erlassen werden. Die Betrüger sind flexibel und können, wenn rechtliche Schritte anstehen,  die alte Seite fallen lassen und eine Neue eröffnen. Bis gegen solche Anbieter vorgegangen wird, werden noch manchen die Haare zu Berge stehen.


Den Zahlungsaufforderungen darf niemand nachkommen, stattdessen sollen solche einfach ignoriert werden. Es ist nicht einmal nötig, eine E-Mail zu schreiben, denn solche werden auf keinen Fall gelesen. Nach der dritten unbezahlten Mahnung wird Ruhe einkehren. Die Betrüger werden nicht, wie angedroht, vor Gericht ziehen, denn letztendlich siegt Vernunft über Betrug.

Heuschnupfen, die unangenehme Seite des Frühlings




Den Winter haben wir nun endlich hinter uns gelassen, die Tage werden wieder deutlich länger, heller und vor allem wärmer. Die ersten Tage über 20° Celsius lassen einen wieder neue Energy tanken. Sogleich holt man die Liegestühle und Sonnenschirme aus dem staubigen Keller, geniesst mit Freunden und Bekannten die Zeit im Freien und das erste kühle Bier auf der Terrasse.

Doch für viele Menschen bedeutet der Frühling auch wieder der Start ihrer Leidenszeit. Sie leiden an Heuschnupfen; allein in der Schweiz sind davon ca. 1 Million Leute betroffen; Tendenz steigend. Auch den Pflanzen ist der Wetterwechsel nicht entgangen und nach kurzer Zeit ist die Luft voll von Pollen - für Allergiker eine harte Nuss. Nun steht schon die erste Entscheidung auf dem Plan; drinnen bleiben um dem Pollenflug soweit wie möglich zu entgehen oder aber sich draussen aufzuhalten um die Sonne zu geniessen, wohlwissend, dass nach kurzer Zeit die Augen anfangen zu tränen und die Nase allzeit verstopft ist.

Die Pollenzeit ist massgeblich dafür verantwortlich, wer wann wie lange zu leiden hat. Viele Menschen sind oft nur auf gewisse Pflanzenpollen allergisch und sobald diese Zeit rum ist, können auch diese Menschen den Frühling und/oder Sommer deutlich schöner geniessen.



Wer auf Pollen (Blütenstaub) allergisch ist, kann den Kontakt damit durch einfache Massnahmen auf ein Minimum reduzieren. Hier einige Ratschläge, welche die Leidenszeit erträglicher machen:

  • Pollenallergiker sollten ihre Wäsche nicht im Freien trocknen lassen, um zu vermeiden, dass Pollen daran haften bleiben.
  • Pollen können nach Aufenthalten im Freiem an den Haaren haften. Vor dem Schlafengehen sollten Allergiker deshalb die Haare waschen.
  • Im Freien eine Sonnenbrille mit Seitenschutz tragen. Diese hält einen Teil der Pollen von den Augen fern. Zugleich schützt sie eine schon gereizte Augenschleimhaut, die während der allergischen Reaktion lichtempfindlicher ist.
  • Bei starkem Pollenflug Sport im Freien meiden. Sport in der Natur treiben Pollenallergiker am besten am frühen Morgen und an Regentagen.
  • Starker Pollenflug lässt sich auch dadurch vermeiden, indem man den Rasen im Garten kurz hält. Allerdings sollten Allergiker nicht selber mähen.
  • In geschlossenen Räumen geht die Pollenkonzentration bereits nach zehn Minuten auf rund ein Hundertstel des Aussenwertes zurück, wenn die Fenster geschlossen werden. Daher sollte man während der Pollenflugsaison möglichst kurz lüften. Pollenschutzgitter für Fenstern in Wohnungen und Pollenschutzfilter im Auto helfen zusätzlich, Pollen fernzuhalten.
  • Für Allergiker kann sich die Anschaffung eines speziellen Hygienestaubsaugers mit geeigneten Filtern lohnen. Diese halten neben Pollen auch noch andere verbreitete Allergene wie Hausstaubmilbenkot zurück.
Sonst geniesse ich meine Ferien. Aber die Frühlingsferien machen jedes Jahr keinen grossen Spass, auserdem ist nach den Ferien immer noch nicht schluss.

Selbstverständlich gibt es auf dem Markt ein weitreichendes Angebot, welches gegen den Heuschnupfen lindern soll. Ich selbst habe viele Ausprobiert, über Nasensprays, Tabletten und sogar Homöopathie. Eine Besserung ist allerdings alleine schon im Verlauf der Jahre aufgetreten, doch ein richtiges Gegenmittel habe ich bis jetzt noch nicht finden können, so werde ich auch weiterhin im Frühling mich im Haus zurückziehen - was für ein Spass!

Friday, April 24, 2009

Ich bin ein Schweizer – Holt mich hier raus!

Man stelle sich vor, man fährt vom Urlaub nach Hause, bemerkt vor der Überquerung der Landesgrenze, dass man eigentlich eine ungültige Identitätskarte besitzt, weil sie zwei Tage zuvor abgelaufen ist. Man möchte jetzt also in ein Land, für welches man nicht einmal Papiere hat. So ging es mir, als ich aus Österreich zurückkehrte. Glück im Unglück dass uns der Zöllner ohne Kontrolle passieren liess. Ob dies allerdings als Glück bezeichnet werden kann, sei dahingestellt. Jedenfalls waren meine Ängste unbegründet und ich kam ohne Zwischenfälle nach Hause.

Kaum angekommen war es also endlich wieder soweit, ich durfte meine Identitätskarte erneuern! Voller Vorfreude und Motivation machte ich mich an die erste Aufgabe und druckte ein Bild von mir in der richtigen Grösse aus. Leider ergaben dann aber Recherchen von mir, dass diese Aktion etwa so sinnvoll war, wie wenn ich die Tintenpatrone gleich aus dem Fenster geschmissen hätte. Ich stiess nämlich auf die Website mit den Anforderungen, die ein Foto zu erfüllen hat, um angenommen zu werden.

Mir blieb also nichts als die Kapitulation und so machte ich mich auf, zu einem öffentlichen Fotoautomaten. Einmal in diesen Automaten gequetscht, wurde ich sofort von einem grossen "8 Franken" überrascht! Abgeschreckt von dem durchaus überteuerten Spass, hat man die Wahl zwischen einem Passfoto für EU-Norm oder CH-Norm. Nach kurzer Verwirrung über den Sinn von Passfotos für EU-Norm in der Schweiz, wartete schon die nächste Frage. Ich hatte die Wahl zwischen einem Foto in Farbe und einem schwarz-weiss Foto, zum gleichen Preis, wohlverstanden! Ich denke, die Antwort zu dieser Frage erübrigt sich.

Nachdem ich mich durch alle diese Fragen gekämpft hatte, konnte das Abenteuer beginnen. Es war peinlich genau eingezeichnet, auf welcher Höhe meine Augen zu sein hatten, wie gross mein Kopf sein durfte und wo meine Schultern sein mussten, um nur einige Vorschriften zu nennen. Vor lauter Vorschriften vergass ich beim ersten Versuch den Rollkragenpullover auszuziehen, er verdeckte mein Hals, war also aller Wahrscheinlichkeit nach unangebracht. Beim zweiten Versuch machten mir meine Augen einen Strich durch die Rechnung, indem sie mich gerade beim erleuchten des Blitzes zum blinzeln zwangen. Eine Stimme ertönte und machte mich darauf aufmerksam, dass dies mein letzter Versuch sei! Wenig erfreut von dieser Tatsache versetzte ich mich noch einmal in vollste Konzentration und wartete auf den Blitz. Beim Anblick des entscheidenden Bildes bemerke ich aber, dass meine Schultern nicht ganz gerade waren. Noch einmal hatte ich also die Ehre, acht Franken an einen Automatenbetreiber zu spenden, um endlich ein korrektes Passfoto zu erhalten. Immerhin klappte es dieses Mal und ich hatte mein persönliches Gaunerbild.



Doch die nächste Frustration liess nicht lange auf sich warten. Geplant war es, mit diesen Fotos gleich zur Gemeindekanzlei zu fahren, um endlich eine neue Identitätskarte zu beantragen. Die Mitarbeiter unserer Gemeindekanzlei benötigten allerdings eine Mittagspause von drei Stunden und machten dadurch meinen Plan zunichte. Ich durfte also nach Hause fahren, um dann noch einmal zur Gemeindekanzlei zu fahren, Freude herrschte.

Mein kleines Abenteuer endete, wie es begonnen hatte, mit einem Schock. Nachdem ich nämlich endlich in das richtige Zimmer in unser Kanzlei geführt wurde und mir eine etwas ältere Dame, Frage um Frage gestellt hatte, verabschiedete sie sich von mir mit den Worten: „Gut, Herr Grosswiler, dann macht das 70 Franken“.

Zu alledem besass ich die nächsten zwei Wochen keine Identitätskarte, weil es so etwas wie eine Übergangskarte nicht gibt und die Verwaltung eine gewisse Zeit braucht – grossartig!


Die neuen Passfoto-Normen. from SFLB on Vimeo.

Sonnencreme statt Sonnenbrand

Jetzt, da die Temperaturen steigen und die Sonne langsam sommerliche Kleider zulässt, fangen die Fleissigen bereits an, frühzeitig ihre Haut zu bräunen. Schliesslich will man sich bei den Kollegen und Kolleginnen beim allsommerlichen Wettbewerb einen Vorsprung verschaffen. Mein Umfeld hat bereits heute wieder erfahren, was auf sie zukommen wird. Nicht etwa, weil ich mich ganztags auf dem Liegestuhl verwöhnen lasse, sondern weil ich sie immer wieder von neuem ermahnen werde, ja die Sonnencreme nicht zu vergessen. Meine empfindliche Haut lässt es nicht anders zu, aber auch mein Entscheid gegen das ideale Aussehen und für die eigene Gesundheit nicht.

Ob man jetzt keine Sonnencreme benutzt, um die Bräunung nicht zu verlangsamen oder, weil man zu faul ist sich einzucremen, spielt keine Rolle. Beides ist verantwortungslos. Natürlich muss das jeder selber wissen, ich jedenfalls möchte nicht mit 40 an Hautkrebs erkranken. Zu viele Menschen werden bereits zu Unrecht mit solchen schlimmen Krankheiten konfrontiert. Ich fühlte mich schlecht, gleich behandelt zu werden, wie jene, die einfach Pech hatten, nur weil ich der Verantwortung gegenüber mir selber nicht gerecht wurde. Das hört sich zwar sehr hart an und mir ist auch bewusst, dass man nicht von Schuld und Unschuld sprechen kann. Auch ich bin der Meinung, man solle das Leben geniessen. Eben genau, weil man nicht weiss, was im Leben auf einen zukommen wird und man einfach das persönlich Beste daraus machen sollte. Tagelang in der Sonne liegen und braun werden, gehört allerdings nicht zu meinem Genuss und ausserdem wäre es mir viel zu langweilig.


Meist macht man es nicht einmal für das eigene Wohl. Höchstens erhöht man dadurch den Genuss des Gegenübers. (Ich bezweifle jedoch, dass gebräunte Haut einen solchen Einfluss auf das Leben hat...)

Oft erfolgt die Bräunung erst nach einem schmerzvollen Sonnebrand, der meistens dem Aussehen mehr schadet als Gutes tut. Mir jedenfalls gefallen keine gestreiften Bierbäuche. Ich meine damit Menschen, welche sich sitzend den Sonnenstrahlen aussetzen und ihre überlappende Fettpolster dabei ganz vergessen.

Nicht zu vergessen, all die zu ertragenden Qualen der verbrannten Haut. Die Schultasche, welche man nicht mehr auf der Schulter tragen kann, weil es zu schmerzhaft ist. Gut, dass all jene, die mich kennen, wissen, dass bestimmt kein Betroffener Mitleid von mir erwarten kann!


Als kleiner Tipp: statt zu liegen, sollte man sich besser bewegen. Dies befördert den Bräunungsprozess und man hat zusätzlich mehr Spass dabei. Allerdings nur mit Sonnencreme und Sonnenbrille – damit man auch die Tage danach noch geniessen kann!

Friday, April 17, 2009

Pouletgedanken

Gestern war ich mit meiner Familie im Restaurant. Pouletschnitzel mit Beilage nur 12.50 Fr. Da langten wir natürlich alle zu und es zeigte sich wieder: nicht jeder langt gleich schnell!

Die Situation ist altbekannt: Ich habe aufgegessen und mein Besteck schön säuberlich auf dem Teller positioniert, während meine Mutter noch nicht einmal in der Hälfte ist. Meine Brüder befinden sich irgendwo im Mittelfeld. Wie kann das sein?

Stress habe ich nicht empfunden – nein, im Gegenteil, ich habe mich sogar bemüht meine Bisse genüsslich in die Länge zu ziehen. Aber von Genuss konnte dabei nicht mehr die Rede sein. Es kostete mich so viel Konzentration, das Kauen zu überwachen, dass der Geschmack unterging - einfach verschwand, wie in der Schule, wenn man verbissen versucht, konzentriert auszusehen und dabei ganz vergisst aufzupassen. Auch da gerät das Eigentliche aus dem Fokus, weil man sich zu stark um die Art und Weise bemüht. Aber spielt es denn eine Rolle, wie man aussieht, wenn man konzentriert ist? Ist es nicht egal, wie schnell man isst, solange es einem schmeckt?

Nein, das Esstempo ist keineswegs egal. Man hat Verantwortungen, nicht nur den anderen, sondern auch sich selbst gegenüber. Unappetitliches Schlingen kann so manchen Tischnachbar ekeln und dann wäre da natürlich noch die Gesundheit. Schnelles Essen verursacht Bauchkrämpfe, das wusste schon meine Oma. Obendrein streben wir ja alle nach einer guten Figur und auch ihr ist ein schneller Verzehr abträglich. Serotonin, welches das Gefühl des Sattseins erzeugt, braucht schliesslich seine Zeit, bis es aktiviert wird. (Wer Genaueres wissen will, kann sich auf Wikipedia gut und schnell informieren.) Aber das soll hier keine Gesundheitssprechstunde werden. Vielmehr will ich zeigen, welche ungeheure Disziplin unsere moderne Welt tagtäglich von uns fordert. Alles - sogar so etwas Natürliches wie Essen - muss nach strikten Regeln ablaufen.

Mit der Konzentration hingegen, ist es eine ganz andere Sache. Die meisten Menschen schauen missmutig, wenn nicht gar feindselig, wenn sie sich konzentrieren. Und auch wenn sie es wollten, sie könnten diesen Blick nicht ändern. Er ist einer der wenigen Körperausdrücke, die wir nicht willentlich steuern können. Ich gebe zu, dass Mimik generell schwer zu steuern ist, aber dass es möglich ist, beweisen uns diverse Schauspieler. Doch auch der grösste unter diesen Schauspielern wäre nicht in der Lage, seinen konzentrierten Blick zu ändern. Denn wer konzentriert ist, ist mit seinem ganzen Denken auf einen Punkt fixiert. Da kann kein Gedanken daran verschwendet werden, nett auszusehen. In dem Moment, wo er es versucht, ist die Konzentration schon verflogen.

Auch wenn es beruhigend ist, zu wissen, das die Regeln noch nicht unser ganzes Leben infiltrieren und wir noch Dinge, wie einen konzentrierten Blick haben dürfen, wäre es manchmal doch wünschenswert, gewisse Menschen würden nicht so feindselig in die Welt blicken. Vor allem, wenn man selbst gerade einen Vortrag hält und der Lehrer einen mit solchen Blicken durchbohrt.


Da ich niemanden auf Abwege führen will, was seine Ernährung anbelangt, füge ich hier den Link zu ein paar guten Tipps an.

Sunday, April 12, 2009

Bloggen ist seriöses Geschäft

L’une des seules positions philosophiques cohérentes, c’est la révolte. Elle est un confrontement perpepétuel de l’homme et de sa propre obscurité.
--- Camus
Tatsächlich, das einzige was dieses Philosophenpack gemein hat, ist ihr Meckern. Und auch ich kann es mir nicht verkneifen.

Fick ja, Lenin. Immer relevant.

Wieso so ernst? - Nun, wie alle Möchtegern-Endstufenblogger mache ich mir Gedanken nicht nur über mein Bloggen, sondern über die Tätigkeit des Bloggens selbst. Dieser Blog ist ja eine Art Schulprojekt, mit dem Ziel den Schülern dieses ominöse Medium näher zu bringen. Ich habe jedoch so meine Zweifel.

Dass Blogs eigentlich längst zur präferierten Literaturform der Postmoderne aufsteigen sollten, liegt auf der Hand. Hyperlinks, "Pics or it didn't happen" und selbst wenn man Bilder liefert wird noch an der Authentizität gezweifelt, bzw. Fotoladen-Bearbeitung, Person identifizieren sich mit Zeichenfolgen oder gar nicht (Anonymous, Bernd... ) und natürlich das loslösen aus dem traditionellen Umfeld und dessen Werte. Kurz: Ein Ausbrechen in die Unendlichkeit der Blogosphere.

Dieses Ausbrechen aus der Konvention gilt natürlich auch bezüglich dem Inhalt. Müsste ein Blogposting nicht einfach ein YouTube-Video sein können, begleitet von den Worten "Gerade gesehen lol"? Herr Schneider, so ein Grammar-Nazi, würde wohl grillen gehen. --- Und das bringt mich zum nächsten Punkt.
Was ist den schon ein gepflegter Ausdruck im Internet? Es ist ja nicht nur, dass viele Internetzbenützer einen Slang reden, sondern auch die Sprache ganz anders verwenden (grillen gehen = Selbstmord, undso).

Was nun? --- Ich würde ja gerne einen Lösungsvorschlag offerieren, aber ich denke, so etwas wie ein "Rezept" bezüglich dem Inhalt und Stil eines guten Blog gibt es nicht. Wie es auch keine allgemeinen Regeln bezüglich dem Beschreiben von Papier gibt.

zl;ngl:

Wednesday, April 1, 2009

Rezept zum Erstellen eines guten Blogs

Hier ein paar Erkenntnisse aus der Lektüre von Andrea Dieners My Blog is my Castle:
  1. Man verbinde Sachthemen mit persönlichen Stellungnahmen.
  2. Man muss interessante Themen aus dem eigenen Leben öffentlich präsentieren.
  3. Man muss den Leser an den Blog binden, d.h. nicht immer im Rahmen des Konventionellen bleiben und den Leser überraschen.
  4. Der Blog soll kohärent sein, d.h. die Beitrage sollten untereinander eine ähnliche Haltung präsentieren.
  5. Themen sollten den Blogger glaubwürdig erscheinen lassen.
  6. Man muss diszipliniert schreiben und konsequent sein: Nur so findet man auch Themen und schärft seine Wahrnehmung.
  7. Ein Blogger muss ein guter Beobachter seiner Umgebung sein. Und Bloggerinnen gute Beobachterinnnen.
  8. Ein guter Blog ist multimedial aufgestellt und verbindet verschiedene Medieninhalte.
  9. Man braucht Zeit und den Willen, sich selber mitzuteilen.
  10. Man darf nicht zu stark exhibitionistisch schreiben. Mit persönlichen Bekenntnissen und Geschichten muss man vorsichtig sein.
  11. Beiträge sollen zwar spontan wirken, müssen aber überarbeitet werden, thematisch gezielt eingesetzt und durch eine Art bewussten Filter gehen.
  12. Ein Blogger soll eine Art Bloggerpersönlichkeit entwickeln.
  13. Wenn man Kommentare zulässt, so soll das bewusst geschehen (und evtl. mit einer gewissen Qualitätskontrolle).
  14. Man soll über das schreiben, was man selber gern lesen würde und was einen selbst interessiert.
  15. Bloggen soll redlich erfolgen: Quellen sollen angegeben werden (als Verweise, d.h. Links).