Tuesday, April 28, 2009

Anpassung ans soziale Umfeld oder: Wie Smalltalk uns am Kennenlernen hindert

Eine Frage, die ich mir sehr oft Stelle, hat sich mir auch heute wieder aufgedrängt: Warum haben wir alle so viele verschiedene Seiten? Ich habe noch keine Person angetroffen, die sich in jedem sozialen Umfeld gleich verhält. Warum ist das so? Wie auf alle Fragen, die man sich immer wieder stellt, habe ich auch auf diese schon mehrere Antworten gefunden.
Die naheliegenste aller Erklärungen scheint die Anpassung aus Höflichkeit, aus Kommunikationsbedarf zu sein: Menschen passen sich ihrem Umfeld an, um sich zu integrieren, um Boden für Gespräche zu schaffen. Doch genau das hält uns auch davon ab, unter die Oberfläche zu gelangen und einander wirklich kennen zu lernen - paradox, nicht?
Es könnte auch einfacher sein: den Menschen fehlt die Selbstsicherheit, sich als das zu präsentieren, was sie sind. Ich frage mich auch öfters, was für Hobbies Menschen haben, die ich nur oberflächlich kenne -

Fragen sich meine Mitmenschen das auch ab mir?

Ich bin ein Vertreter der direkten Kommunikation, und versuche auch eine solche Politik in meinem Umgang zu verfolgen - und trotzdem werden wohl wenige wissen, dass ich oft Morgens um 2 Uhr noch an meinem Pult sitze und Programmierfehler zu beseitigen versuche.

Mir ist bewusst, dass man nicht alle Menschen genauer kennen lernen kann. Ich stelle es mir aber einiges spannender vor, meinen Tag mit Sportlern, Musikern, Modefans und Hobbymodellbauern zu verbringen als mit nur andersnamigen Kantonsschülern. Mit dem will ich nicht sagen, meine Mitmenschen wären langweilig, ihre spannenderen Seiten kommen nur nicht so ans Licht.

Eine gewisse Aktualität wird dem ganzen verleiht mit dem Nationalen Wettbewerb von Schweizer Jugend Forscht, der vor einigen Tagen stattfand. Bei meiner Teilnahme dort traf ich auf zahllose Jugendliche, welche mit ihren Hobbies Grosses erreicht hatten und das nun präsentierten. Dieser Event begeisterte mich so sehr, dass ich prompt am Montagmorgen meine Mitschüler ruppig begrüsste: Mit einem Vorwurf, sie hätten keine Ambitionen und seien faul. Dass dies etwas starker Tobak war, wurde mir erst im Nachhinein bewusst.

Denn der Punkt am Ganzen ist doch, dass wahrscheinlich jeder irgend etwas Faszinierendes verfolgt in seinem Leben, die meisten dies jedoch im Privaten tun -

Und nichts studierende Menschen wie ich sie dann als langweilig abstempfeln. Lieber Leser - mach es besser.

Wettbewerb
Nationaler Wettbewerb: Ausstellung [Quelle]

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