Friday, April 17, 2009

Pouletgedanken

Gestern war ich mit meiner Familie im Restaurant. Pouletschnitzel mit Beilage nur 12.50 Fr. Da langten wir natürlich alle zu und es zeigte sich wieder: nicht jeder langt gleich schnell!

Die Situation ist altbekannt: Ich habe aufgegessen und mein Besteck schön säuberlich auf dem Teller positioniert, während meine Mutter noch nicht einmal in der Hälfte ist. Meine Brüder befinden sich irgendwo im Mittelfeld. Wie kann das sein?

Stress habe ich nicht empfunden – nein, im Gegenteil, ich habe mich sogar bemüht meine Bisse genüsslich in die Länge zu ziehen. Aber von Genuss konnte dabei nicht mehr die Rede sein. Es kostete mich so viel Konzentration, das Kauen zu überwachen, dass der Geschmack unterging - einfach verschwand, wie in der Schule, wenn man verbissen versucht, konzentriert auszusehen und dabei ganz vergisst aufzupassen. Auch da gerät das Eigentliche aus dem Fokus, weil man sich zu stark um die Art und Weise bemüht. Aber spielt es denn eine Rolle, wie man aussieht, wenn man konzentriert ist? Ist es nicht egal, wie schnell man isst, solange es einem schmeckt?

Nein, das Esstempo ist keineswegs egal. Man hat Verantwortungen, nicht nur den anderen, sondern auch sich selbst gegenüber. Unappetitliches Schlingen kann so manchen Tischnachbar ekeln und dann wäre da natürlich noch die Gesundheit. Schnelles Essen verursacht Bauchkrämpfe, das wusste schon meine Oma. Obendrein streben wir ja alle nach einer guten Figur und auch ihr ist ein schneller Verzehr abträglich. Serotonin, welches das Gefühl des Sattseins erzeugt, braucht schliesslich seine Zeit, bis es aktiviert wird. (Wer Genaueres wissen will, kann sich auf Wikipedia gut und schnell informieren.) Aber das soll hier keine Gesundheitssprechstunde werden. Vielmehr will ich zeigen, welche ungeheure Disziplin unsere moderne Welt tagtäglich von uns fordert. Alles - sogar so etwas Natürliches wie Essen - muss nach strikten Regeln ablaufen.

Mit der Konzentration hingegen, ist es eine ganz andere Sache. Die meisten Menschen schauen missmutig, wenn nicht gar feindselig, wenn sie sich konzentrieren. Und auch wenn sie es wollten, sie könnten diesen Blick nicht ändern. Er ist einer der wenigen Körperausdrücke, die wir nicht willentlich steuern können. Ich gebe zu, dass Mimik generell schwer zu steuern ist, aber dass es möglich ist, beweisen uns diverse Schauspieler. Doch auch der grösste unter diesen Schauspielern wäre nicht in der Lage, seinen konzentrierten Blick zu ändern. Denn wer konzentriert ist, ist mit seinem ganzen Denken auf einen Punkt fixiert. Da kann kein Gedanken daran verschwendet werden, nett auszusehen. In dem Moment, wo er es versucht, ist die Konzentration schon verflogen.

Auch wenn es beruhigend ist, zu wissen, das die Regeln noch nicht unser ganzes Leben infiltrieren und wir noch Dinge, wie einen konzentrierten Blick haben dürfen, wäre es manchmal doch wünschenswert, gewisse Menschen würden nicht so feindselig in die Welt blicken. Vor allem, wenn man selbst gerade einen Vortrag hält und der Lehrer einen mit solchen Blicken durchbohrt.


Da ich niemanden auf Abwege führen will, was seine Ernährung anbelangt, füge ich hier den Link zu ein paar guten Tipps an.

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