Tuesday, April 28, 2009

Ein Aktivist erwacht


Strassenaktivismus ist in. Am Montagmorgen um 7:30 Uhr durfte ich mich gar darüber freuen die Aprilausgabe der Zeitschrift Erwachet! in meine Hände gelegt zu finden.
Erwachet! wird wie auch der Wachturm von der Wachturm-Gesellschaft, mitunter auch bekannt als Zeugen Jehovas herausgegeben. Leider war ich so früh am Morgen noch nicht in der Lage entsprechend zu reagieren. Die Thematik sollte dem Leser bekannt sein, weshalb ich gleich meine Verhaltensempfehlung abgeben möchte: Wie begegne ich einer mehr oder weniger freundlichen Person, die mich an einem beliebigen Schweizer Bahnhof mit mehr als drei Gleisen Geldes wegen anspricht?

Persönlich verfolge ich zwei unterschiedliche Strategien: Die erste kommt zum Einsatz, wenn ich keine Zeit habe mich zu unterhalten. Ich teile der Person mit, dass ich keine Zeit habe. Dabei passe ich meine Freundlichkeit dem Tonfall des Ansprechenden an. Jeden weiteren Annäherungsversuch ignoriert man. Dieses Verhalten erfüllt mein Verständnis von Freundlichkeit vollkommen.
Im zweiten Fall habe ich ohnehin genügend Zeit und lasse mich also auf ein Gespräch ein. Im Gespräch bin ich selbstverständlich aufmerksamer Zuhörer und erfahre so zum Beispiel nach Erläuterungen zur Relevanz der Organisation, dass eine Mitgliedschaft nur CHF 6.- im Monat kostet, reines Gewissen inklusive. Nach einiger Zeit muss ich dann weiter und lasse mein Gegenüber noch etwas wissen: Strassenaktionen sind ein Auswuchs des heutigen Werbegeschäfts. Bei gemeinnützigen Organisationen bemühe ich mich um eine differenziertere Darlegung, bis der Gesprächspartner die Unterhaltung häufig selbst beendet.

Schade ist nur, dass ich wenig Einfluss darauf habe, welche Strategie ich verwende. Ansonsten würde ich gerne die Werbenden häufiger beschäftigen, damit andere Passanten nicht mehr unbedingt den Zug erwischen müssen, obwohl ihr Weg aus dem Bahnhof herausführt. Mein eigener Strassenaktivismus eben.

Demo
Es gibt viele Arten von Strassenaktivismus [Quelle]

2 comments:

  1. Aha - ich habe ein anderes Vorgehen: Ich frage die Aktivisten, wie viel Sie denn dafür bekommen, mich dazu zu bringen, die 6 Franken pro Monat zu bezahlen - und ob Sie bereit wären, diese Einnahmen auch gleich für den guten Zweck zu spenden… 

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