Sunday, April 26, 2009

Heil dir Helvetia – geliebter Cervelat

Cervelats gab’s tatsächlich am Sonntag zum Zmittag. Somit kann ich die Grillsaison auch bei uns für eröffnet erklären. Zwar nicht so offiziell, dafür auch nicht so unbeholfen, wie Ueli Maurer die Eishockeyweltmeisterschaft eröffnete, einige werden sich erinnern, sein Englisch war grauenhaft. Aber immerhin typisch schweizerisch: Neben einem Cervelat liessen wir uns Zweifelchips, marktfrischen Kopfsalat aus der Region und Feldschlösschen schmecken.

Wir assen die Wurst nicht nur, wir sprachen auch darüber. (Man muss vielleicht wissen, dass meine Mutter in einer Metzgerei aufgewachsen ist.) Im Verlauf des Cervelatgesprächs fiel es mir wieder ein: Letztes Jahr, April 2008, Einfuhrverbot von brasilianischen Rinderdärmen. Ein nationaler Aufschrei ging durch die Schweiz, wir Eidgenossen fürchteten um unseren geliebten Cervelat. Ja, man musste gar damit rechnen, dass er nicht einmal die Euro08 überleben würde. Denn keine anderen Därme sind so gekrümmt, so gut schälbar, kurz: so geeignet, um Cervelatbrät hineinzuspritzen, wie der Darm des brasilianischen Zebu-Rinds.
Alle möglichen Horrorszenarien wurden durchgespielt - mehr oder auch weniger ernst natürlich. So in der Radiosendung
Zytlupe auf DRS.
Ich muss gestehen, auch ich war damals kurz geschockt, schmeckt doch diese geräucherte Brühwurst immer und überall. Die Schweiz begann sich zu wehren, brachte zahlreiche Studien heraus, dass die benötigten Häute nicht BSE gefährdet seien. Doch die EU blieb bei ihrem Entscheid.

Mittlerweile ist das alles längst verstummt. Schon ein paar Wochen nach der niederschmetternden Nachricht hatte man doch mehr Vorräte als gedacht und zwei, drei Monate später fand sich auch valabler Ersatz. Därme aus Uruguay, Paraguay oder Argentinien sprangen in die Bresche. Der Kampf jedoch geht weiter. Wäre doch gelacht, wenn die kleine, unabhängige, neutrale Schweiz nicht auch hier eine Sonderbewilligung bekäme. Hoffen wir das Beste.

Ein schaler Beigeschmack, der sogar in Deutschland bemerkt wurde, bleibt trotzdem:

„Wer hätte auch gedacht, dass die schweizerischste aller Würste derart vom Ausland abhängig ist? Es ist eine bittere Erkenntnis, dass auch der Cervelat irgendwie mit der Globalisierung zusammenhängt. Dabei wurde er doch schon 1891 angeblich zum ersten Mal erwähnt, im Zusammenhang mit dem Schweizer Nationalfeiertag am 1. August - das hebt ihn fast auf eine Ebene mit dem Rütli-Schwur. Selbst in den helvetischen Sprachgebrauch ist sie eingegangen: "Cervelatpromis" nennt man in der Schweiz abfällig die B- und C-Prominenten. Warum, ist ungeklärt.“ (spiegel.de)

Das gibt einem in der Tat ein wenig zu Denken. Gehört doch der Cervelat zum kulinarischen Erbe der Schweiz. Und doch wird gerade auf dieser Homepage ersichtlich, dass der Cervelat eine lange und international geprägte Vergangenheit hat. In seinen Anfängen galt er als Festtagswurst und wurde zum Teil mit exotischen Gewürzen verfeinert. Erst mit der Verbreitung des Fleischwolfes Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er zur Alltagswurst. Sein tiefer Preis und damit seine Verbreitung wurden dann dank des Basler Wurstkriegs gesichert. Zu gleicher Zeit wurden auch staatliche Wurstkontrollen eingeführt, die darauf achteten, dass Schweizer Fleisch verwendet wurde. Heute ist genau festgelegt, was in den Cervelat gehört.

Wie dem auch sei, unser Zmittag hat geschmeckt.




1 comment:

  1. Verbesserungsvorschläge:
    - Keine schweizerdeutschen Wörter verwenden
    - Fremdwörter an passenden stellen verwenden ("valabel")
    - "geräuchte" -> "geräucherte"
    - Unpassende Wortkombinationen vermeiden ("Szenarien wurden durchgespielt und Konsequenzen diskutiert")

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