Heute sass ich nach einem stressigen - mit Mathematik und Physik erfüllten - Morgen in der Cafeteria und gönnte mir endlich die Mittagspause. Wie immer kommt es am Tisch von einer Diskussion zur anderen. Diesmal war Dialogsmittelpunkt die Person B. . Es ging darum, dass B. ein Geheimnis verraten hatte. Während die einen dieses Verhalten verurteilten, fanden andere die Reaktionen zu übertrieben, weil das Geheimnis nicht so schlimm sei. Ich musste mich denen anschliessen, die das Prinzip eines Geheimnisses verteidigten.
Dieses Prinzip besteht daraus, dass eine Information mit einer kleinen Gruppe an Personen geteilt wird und diese Gruppe so klein wie möglich gehalten werden sollte. Je weniger Personen der Gruppe angehören, desto grösser und wichtiger ist das Geheimnis. Dabei ist das Ziel, eine Information vorzuenthalten oder sogar dafür zu lügen, jedenfalls dies nicht zu verraten. Um ein Geheimnis gut bewahren zu können, muss man also ein guter Lügner sein – im weitesten Sinne.
Die Geheimnisse können Menschen zusammenbringen und Beziehungen stärken. Bekanntlich kommt oft auch das Gegenteil vor, weshalb viele auch Geheimnisse für sich behalten. Man wartet und wartet so lange, bis das Geheimnis einen auffrisst und die eigenen Handlungen durch das Geheime beeinflusst werden. Aber das Einzige, was wir wollen, ist diese Last von den Schultern zu bekommen und es jemandem zu beichten. Aber die Folgen!! Um Himmels Willen - die Konsequenzen könnte ich nicht ertragen!!! Das magische Internet hat auch hier eine kleine Lösung gefunden: http://www.confessions4u.com/. Eine Plattform, bei der man anonym seine Beichte ablegen kann. Erinnert uns doch irgendwie an die katholische Kirche? Ausser das hier keine echten, unschuldigen Personen einen – ich nenne es bewusst falsch- verurteilen und zurechtweisen, also unter Druck setzen. Sondern nur weitere User mit ebenfalls bedrückten Seelen ihr Mitleid mitteilen oder Tipps für diese schwere Zeit geben. Wie die Samichlaus-Lüge werden hier Lügen und vieles mehr diskutiert, aber nur die, die es betreffen würde, dürfen ja nichts davon mitbekommen.
Aber genau solche Plattformen leiten den Menschen dazu, noch schlechter zu handeln, weil sie sich den Folgen nicht stellen müssen. Genau das, was den Menschen daran hindert Schlechtes zu tun, nämlich der eigene Ruf, wird hier von der Anonymität verdeckt und der User legt sich in diese Bequemlichkeit hinein. Ist es besser sich den Konsequenzen zu stellen oder sind solche Seiten sinnvoll, um den armen Leidenden das Leben zu erleichtern und ihnen zu helfen, mit Geheimnissen besser umzugehen?
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Ist es wirklich die Funktion solcher Seiten (z.B. auch http://postsecret.blogspot.com/) wirklich, dass man sich den Konsequenzen seiner Handlungen nicht stellen muss (z.B. schlechtes Gewissen, Vorwürfe anderer Menschen) oder helfen sie nicht vielmehr dabei, sich darüber Gedanken zu machen, warum man getan hat, was man getan hat?
ReplyDeleteDrin bevor: Auto-Therapie.
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