
Nichtsahnend sass ich ich gestern in meinem Zimmer und las mal wieder in einem Buch. Ausnahmsweise war es keines für meine Abschlussprüfung. Diese Freude war mir allerdings nur kurz gegönnt. Meine Mutter hatte entschieden, mir heute einige Hausarbeiten zu überlassen. Die Erste kam in Form von zwei Wäschekörben daher. Der Erste, nur mit Handtüchern gefüllt, war schnell geleert, die Handtücher ordentlich zusammengelegt. Natürlich so gefaltet wie es meine Mutter will.
Der zweite Korb aber hätte mich fast geschafft. Was von aussen wie ein Haufen Socken aussah – nun – das war ein grosser Haufen Socken. Jeder, der schon einmal Strümpfe zusammenlegen musste, kennt es: die verzweifelte Suche nach einem gleichen Paar.
Meine Mutter hatte wohl beschlossen mich auf die wieder beginnende Schule einzustellen, in dem ich mein Gehirn wieder einmal gebrauchen musste. Denn ich hatte sicherlich schon 20 verschiedene Socken (die sich manchmal nur in der Breite des Gummibandes unterschieden) in den Händen gehalten, bis ich endlich zwei gleiche entdeckte. Was für eine Erleichterung! Leider lagen noch mehr als hundert andere im Korb...
Während dieser Arbeit (einzelne Socken aus dem Korb nehmen, miteinander vergleichen, verschiedene auf die Seite legen, zwei gleiche zusammen stopfen, usw.) kam mir auf einmal das Spiel Memory in den Sinn. Wie froh auf einmal ich war, dass ich eine einmal 'aufgedeckte' Socke nicht wieder zurücklegen musste. Denn schon so brauchte ich über eine halbe Stunde bis ich an die 70 Paare glücklich zusammenführen konnte. Ich vermute, ansonsten wäre ich jetzt noch nicht fertig.
Wie immer gab es auch gewisse Einzelgänger zu denen beim besten Willen kein Gegenstück gefunden werden konnte und die zum Schluss übrig blieben. Diese Zahl scheint sich im Verlauf der Zeit immer nur zu erhöhen, anstatt kleiner zu werden. Die Vorstellung, dass es ein Wesen in der Waschmaschine gibt, das allzu gerne mal eine Socke entführt (und zwar immer verschiedene Socken, es liebt das Ungleiche), gefiel mir sehr. Es würde zumindest erklären, weshalb immer wieder ein Teil des Sockenmemory fehlt. Das gemeine war nur, dass immer wieder die neuen Teile verschwanden. Es gab da Strümpfe vor allem alte Teile, die hätte ich nur allzu gerne verschwinden sehen.
Meiner Mutter konnte ich nach diesem Abenteuer nicht nachtragend sein, sie erledigte ja sonst diese Arbeit für mich. Sie hatte auch ihr (geheimes) Ziel erreicht, mein Gehirn wieder anzukurbeln. Dankbarkeit wäre da eher angesagt. Zum Glück ist der Muttertag nicht mehr fern, sonst würde ich meine Dankbarkeit wohl wieder vergessen...
Vor geraumer Zeit habe ich mir ein riesiges Pack Nike-dri-fit-Socken gekauft. Sie sind mit links und rechts angeschrieben, stützen perfekt, sind schwarz und ich habe 32 Paar davon. Alle anderen Socken habe ich - unsortiert - der Kleidersammlung übergeben. Das von Ihnen geschilderte Problem habe ich somit gelöst. Von Coop Naturaline gibt es Socken, die sich aneinanderheften lassen (vor dem Waschen) - doch leider habe ich das so oft vergessen, dass nun eine Socken sortierende Tochter (oder ein ...er Sohn) in einem zentralafrikanischen Land sich wünschte, seine Familienangehörigen hätten die Socken vor dem Waschen zusammengeheftet.
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